Wahlkampf 2008
Eine Universität, zwei Standorte –
bist Du zu Mitte oder sind die anderen zu Adlershof?
Seit nunmehr fast zehn Jahren ist die Teilung der Humboldt-Universität zu Berlin in die Standorte Adlershof und Mitte perfekt. Die Geisteswissenschaften sind im Herzen der Stadt angesiedelt, die Naturwissenschaften befinden sich in einem ganz eigenen Stadtteil für Wissenschaft, Wirtschaft und Medien. Während sich die einen noch an den Geist von Humboldt klammern, sind die anderen längst damit beschäftigt sich in dem modernen “Wissenschaftsstandort” zu etablieren. Durch die Nähe zur wissenschaftlichen Forschung stellt Adlershof sehr viel mehr als nur einen lukrativen Unternehmensstandort dar. Der modernste Technologiepark Europas vereinigt sowohl wissenschaftliche, wirtschaftliche aber auch politische Interessen. So können Wirtschaftsunternehmen ihre Zukunftsfähigkeit dadurch absichern, dass sie die Subventionen des Landes Berlin dafür nutzen wissenschaftliche Erkenntnisse in ihrem Sinne auf dem Markt zu verwerten. Schön ist was anderes…
Aber was haben wir davon? Zum einen wäre da die räumliche Distanz, die zum anderen dazu führt, dass erhebliche Kombinierbarkeitsprobleme während des Studiums auftreten. So birgt das Studium verschiedener Fachbereiche viele Tücken. Pflichtveranstaltungen überschneiden sich regelmäßig. Das Pendeln zwischen zwei Standorten nimmt viel Zeit in Anspruch. Insgesamt wird so ein interdisziplinäres Studium erheblich erschwert oder gar verunmöglicht. Dabei ist es wichtiger den je möglichst viele Qualifikation unterschied-lichster Natur während des Studiums zu erwerben. Auch Bologna fordert von uns mehr Qualifikationen denn je.
Aber wie, wenn nicht stehlen? Unsere vollgestopften Studienverlaufspläne lassen kaum noch Freiheiten zu. Und die letzten, die uns noch geblieben sind, werden mit Barrieren belegt.
Wir fordern daher eine bessere Vernetzung von Mitte und Adlershof. In den Gremien der akademischen Selbstverwaltung werden wir uns daher dafür einsetzen, dass Veranstaltungen besser aufeinander abgestimmt werden. Außerdem fordern wir, dass im Studium mehr Freiheiten für ein interdisziplinäres Studium geschaffen werden. Es braucht mehr als ein fachfremdes Modul während der Studienzeit.
Deine Stimme für die LuSt – Deine Stimme für mehr Vernetzung
Übergang vom Bachelor zum Master –
Sind die anderen zu gut oder bist du zu blöd?
Mit der Einführung der neuen Studiengänge wurden viele Ziele verfolgt. Eines war es, den Studierenden einen schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Das konsekutive Studiensystem – ein Studium in zwei Etappen – sollte die Möglichkeit bieten, nach ersten Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt, die wissenschftliche Karriere fort zu setzen. Und was ist daraus geworden? Eine Berufsperspektive für die Besten der Besten.
Denn der Bachelor bietet keine beruflichen Aussichten. Er droht zu einer Qualifikation zum Aushilfsjob zu verkommen. Welche Aussichten hat z.B. eine Lehramtsstudentin ohne einen Master? Ist sie die neue Aushilfslehrerin, die für halbes Gehalt die Unterfinanzierung von Schulen kompensieren muss? Wir werden es sehen,…
Denn ein Master-Platz gibt es nur für diejenigen, welche in ihrem Studium gelernt haben sich durchzusetzen und stets auf ihren eigenen Erfolg bedacht zu sein. Selbstbestimmung und Eigenverantwortung verkommen somit zu Phrasen aus dem letzten Jahrtausend. Die Verknappung der Masterplätze auf eine Quote von zum Teil nur 50 % der BachelorabsolventInnen führt zu Konkurrenzkämpfen unter den Studierenden. Denn nur mit den besten Noten bleibt ein Master-Platz überhaupt in greifbarer Nähe. Sofern man an dem großen Los vorbei geschliddert ist, bleibt einem aber noch der Platz in der Economy-Class. Darüber sollte man auch nicht direkt klagen. Denn ein halber Abschluss ist immer noch besser als keiner. Und die viele berufliche Praxis, die man während dessen erworben hat, sollte man auch nicht unter den Teppich kehren. Welche berufliche Praxis?
Gefunden haben wir bisher auch noch keine, aber mit Deiner Stimme können wir gezielt auf die Suche gehen und graben zur Not den Innenhof im Hauptgebäude um. Schließlich hat Bologna uns das versprochen.
Aber das ist noch längst nicht alles… Mit eurer Stimme werden wir uns in den Gremien der akademischen Selbstverwaltung für eine unbeschränkte Masterzulassung einsetzen. Jede Studentin und jeder Student hat Anrecht auf einen Masterplatz. Zulassungskriterien, die über einen Bachelor-Abschluss hinaus gehen sind inakzeptabel.
Deine Stimme für die LuSt – Deine Stimme für einen Masterplatz
Mehrfachbelastung im Studium –
Ist sie zu stark oder bist Du zu schwach?
Früher war alles besser… Nein, das ist nicht das, was wir euch sagen wollen. Bereits vor der Umsetzung der Bologna-Reform war die Situation an den Hochschulen alles andere als studierendenfreundlich. Nichts desto trotz hat sich mit der Einführung von Bachelor und Master vieles verändert und die Studiensituation weiter verschlechtert. Neben dem Studium noch Jobben gehen, das eigene Kind versorgen oder gar beides bewältigen müssen, das ist kein Einzelfall, sondern Realität. Ca. 60 % der Studierenden sind auf eine Erwerbstätigkeit angewiesen, etwa 8 % der Studierenden sind Eltern – oft alleinerziehend. Wer z.B. seine Erwerbsarbeit nicht auf die Nacht, das Wochenende oder die Ferien schieben kann, sieht alt aus. Denn die Verschulung der neuen Studiengänge und die strikten Studienverlaufspläne sorgen dafür, dass die Vereinbarkeit von Studium und außeruniversitären Belastungsfaktoren zunehmend erschwert wird. Nachteilsausgleiche für z.B. studierende Eltern sind zwar mittlerweile in allen Studienordnungen festgeschrieben, kommen aber nur selten zur Anwendung. Der damit verbundene organisatorische Aufwand wird von den Lehrenden oft als lästig empfunden. Und wer sich erst auf eine Ordnung berufen muss, um sein/ihr Leben zu organisieren, der/die ist im Zweifel ohnehin nicht flexibel genug. „Wenn du schon zu blöd bist, dein Studium auf die Reihe zu kriegen, wie willst du dann einen vernünftigen Job bekommen?“
Also alles nur Deine Schuld? Auf keinen Fall.
Studienordnungen sind – auch laut der Hochschulrektorenkonferenz – nur dann studierbar, wenn sie auch die soziale Lebenssituation der Studierenden berücksichtigt. Wenn der Workload des Studiums bereits an die Grenzen des Leistbaren heranreicht, dann wird der Zwang zur Erwerbstätigkeit oder auch nur ein Ehrenamt zum Ausschlusskriterium.
Mit eurer Stimme werden wir uns in den Gremien der Universität für ein sozial gerechtes Studium einsetzen. Die Mitgestaltung neuer Teilzeitstudienmodelle steht dabei ganz oben auf unserer Liste. Aber auch eine weitere Erhöhung des BAföG ist notwendig. Dabei muss gleichzeitig mehr Studierenden der Zugang zum BAföG gewährt werden.
Deine Stimme für die LuSt – Deine Stimme für ein sozial gerechtes Studium


